Womit Sie im Kontakt zu Journalisten und Redaktionen punkten

Giesskannen PRSie fühlen sich häufig als „Bittsteller“ gegenüber Medien? Dann wird es Zeit, dass Sie Ihren Blickwinkel ändern. Denn damit der Kontakt zu Medien erfolgreich sein kann, gilt selbstbewusst zu erkennen, dass man den Medien interessante und wichtige Informationen verschafft, auf die sie durchaus angewiesen sind. Am Anfang steht also die Recherche und Analyse, welche Medien die geeigneten sind für das jeweilige Informationsangebot.

Zur Illustration vorab ein Beispiel aus der Buchbranche. Erstaunt sind Redakteure immer wieder, dass nach wie vor häufig nach dem Gießkannenprinzip gearbeitet wird. „Ein gutes Gefühl habe ich“, so der freie Journalist Carsten Tergast, „wenn mir scheint, dass gezielt gearbeitet wird, dass meine Schwerpunkte und Wünsche bekannt sind und ich gezielt daraufhin informiert werde. Solche Information hat eine große Chance, entsprechend gewürdigt zu werden.“ Dazu gehört beispielsweise, dass man die Erscheinungs- und Arbeitsweise von Zeitungen und Zeitschriften kennt und in ihrer Informationspolitik bedenkt.

Einen „Stein im Brett“ haben nicht nur bei Tergast „die Presseleute, die es verstehen, über das Maß der normalen Pressemitteilung hinaus, Futter’ anzubieten, seien es Hintergrundgespräche o. ä.“. Entgegen häufig anderer Meinung sind Journalisten durchaus empfänglich für Rückfragen - nicht nur die freien Redaktionsmitarbeiter sind darauf angewiesen, auf ihre Themengebiete zugeschnittene Angebote und Informationen zu bekommen. Dies stellt sich im persönlichen (Telefon-) Gespräch am besten heraus - kommen Sie sofort zum Kern der Sache, fassen Sie sich kurz, denn die meisten Redakteure haben wenig Zeit.

Was durchweg gilt: Behandeln Sie alle gleich gut, ob Praktikant des Wochenblättchens, Mitarbeiter der Lokalredaktion oder Redakteur eines großen Feuilletons: Ersterer könnte eines Tages der Leiter des FAZ-Kulturteils sein – er wird sich an Sie erinnern …

Vielleicht gehören Sie zu den Unverdrossenen, wie der Künstler, der mir bei einem Workshop erzählte, wie er (endlich) die wichtige Lokalzeitung auf sich aufmerksam machen konnte, und das mit Dauerwirkung: Er schnappte eines Tages seine Informationen und marschierte schnurstracks in die Redaktion. Ist zwar kein Patentrezept, kann auch an der Sekretärin scheitern oder auf Ablehnung stoßen – aber einen Versuch ist’s wert.

Sollten sich gute Journalisten-Kontakte entwickeln, pflegen Sie sie gut - aber nehmen Sie es nicht zu persönlich; Viola Falkenberg macht darauf aufmerksam, dass dies nicht mit einem privaten Kontakt zu verwechseln ist („Interviews meistern“. S. 63).

Was Journalisten garantiert nicht mögen, sind Bevormundung, Arroganz und Unzuverlässigkeit sowie fehlende Informationen: Wichtig ist, dass die Presseinfo knapp und übersichtlich ist, Veranstaltungstermine (was wer wann wo warum) nicht irgendwo versteckt sind. Carsten Tergast hat den Eindruck, als hielten manche das Verfassen von Pressemeldungen für eine „offensichtlich hohe Kunst“; doch wenn diese „von Superlativen und Ergötzen am eigenen Produkt nur so strotzen, stoßen sie ab“. Wer es schafft, interessante Informationen gut zu verpacken, „die die Journalisten zu Nachfragen anregen und so wiederum ein Gespräch in Gang bringen, gereicht das bestenfalls beiden Seiten zum Vorteil“.

Wenn ein Beitrag nicht nach Ihrem Gusto ausgefallen sein sollte, nehmen Sie es nicht persönlich. Analysieren Sie, inwieweit der Berichterstatter begründet geschrieben hat – unterstellen Sie keine Boshaftigkeit. Und denken Sie daran: Journalisten möchten Eigenes produzieren, vielen ist es – trotz eines gegenläufigen Trends - immer noch nicht genug, einfach nur Pressemitteilungen abzuschreiben.

Und schließlich: Reaktionen erfreuen das Autorenherz - ein kurzes Dankeschön, aber durchaus auch Anregungen, ja positive Kritik kommen besser an, als man denkt.

Checklist „Pressekontakte“:

  • Seien Sie freundlich, aber behalten Sie Ihre persönliche Note, biedern Sie sich nicht an;
  • bereiten Sie Kontakte gut vor: lernen Sie das jeweilige Medium, am besten noch aktuelle Beiträge des Ansprechpartners kennen;
  • integrieren Sie den Punkt „Pressekontakt“ in Ihre Homepage und bieten Sie dort aktuelle Informationen (ggf. zum Download);
  • versorgen Sie die Redaktion - ein Anruf beim Redaktionssekretariat kann die hilfreich sein - wunschgemäß: Vorlaufzeiten, Text- und Bildformate einhalten;
  • nur informative, niemals werbliche Texte formulieren, auf Übersichtlichkeit und die Angabe der wichtigsten Daten achten;
  • Nachfassen oder nicht? Überlegen, warum man anruft und ob es eine Erinnerungsmail nicht auch tut;
  • tauschen Sie sich mit Kollegen aus;
  • seien Sie auch einmal initiativ, machen Sie Themenvorschläge;
  • und vor allem: bewahren Sie langen Atem.

Literatur-Tipps

Dworak, Angelika/ Reddeker, Lioba: Pressearbeit in der bildenden Kunst. Grundlagen und Tips für den erfolgreichen Umgang mit Medien in Österreich, basis wien, Wien 2006
Falkenberg, Viola: Interviews meistern, Ein Ratgeber für Führungskräfte, Öffentlichkeitsarbeit und Medien-Laien, F.A.Z.-Institut, Frankfurt/M. 1999
Pauli, Knut S.: Leitfaden für die Pressearbeit, dtv-Beck, München 2004
Raap, Jürgen: „Pantoffel, Provinz und Prominenz“ in: ders., Wege zum Ruhm, atelier Verlag, Köln 1999