Wann ist ein Kunstwerk 72,8 Millionen Dollar wert? Und warum?

Kürzlich hat “White Center” (1950) des abstrakten Expressionisten Mark Rothko beim Auktionshaus Sotheby’s die Rekordsumme von 72,8 Millionen Dollar erzielt.

72,8 MILLIONEN DOLLAR!!!

Und zwar dafür:

White Center ganz

“Aber das hätte ich doch auch gekonnt!!” sagen Sie?! Ich bin mir sicher, Sie hätten das sogar noch viel besser gekonnt. Aber offensichtlich ist die enorme Summe, die für “White Center” bezahlt wurde, keine Frage des “Könnens”.

Der Preis eines Kunstwerks richtet sich eben nicht danach, was Ihnen oder mir gefällt oder was wir für “künstlerische Qualität” halten, sondern danach, was irgendjemand dafür zu zahlen bereit ist.

Für eine schwarze Linie auf weißer Leinwand von mir bezahlt kein Mensch etwas (falls doch, melden Sie sich bitte einfach mit einem Gebot!). Bei einer schwarzen Linie von Picasso sähe die Sache schon ganz anders aus. Es gibt natürlich Kunstwerke, die nur wegen des Motivs oder der besonderen Ausführung des Werks gekauft werden. Aber der Preis wird auch immer vom Bekanntheitsgrad des Künstlers und der Geschichte des Kunstwerks beeinflusst. In diesem speziellen Fall lässt sich dieser Einfluss in Zahlen beschreiben: Fast 73 Millionen Dollar beträgt der Preisunterschied zwischen einem unbekannten Künstler und Mark Rothko.

Wie heißt es so schön in der Volkswirtschaftslehre:
“Der Markt bestimmt den Preis.”

Viele Künstler regen sich dann über die “Kommerzialisierung der Kunst” auf. Nun, Sie müssen sich ja nicht am Kunstbetrieb beteiligen, wenn Sie nicht wollen. Aber wenn Sie Ihre Kunst verkaufen wollen - und zwar zu hohen Preisen - dann müssen Sie die Mechanismen des Kunstmarkts akzeptieren. Sie können sicher sein: Je bekannter Sie als Künstler sind, desto höhere Preise werden Käufer für Ihre Werke bezahlen. Oder würden Sie selbst 10.000 EUR für eine schwarze Linie von mir bezahlen? Wie wäre es mit 5000 EUR und ich male Ihnen noch drei bunte Streifen dazu?