Künstler zwischen Fördermittelakquise und Eigenpräsentation

Wer einen Katalog oder eine umfangreichere Imagebroschüre erstellt, sollte selbstständig agieren, statt auf Förderer- und Verlagsangebote zu warten. Wie die Praxis zeigt, ist es unrealistisch, zu warten. ­ Viel wichtiger ist es, gutes Präsentationsmaterial in Händen zu halten. Umso besser, wenn dann ein Galerist, ein Kunstverein, Unternehmen oder Museum einsteigt und ein umfangreicheres und weiter gestreutes Buch herausgibt.

Ein Katalog ist aus etlichen Gründen attraktiv: Er sieht „wertig“ aus; er überdauert aktuelle Anlässe; er verschafft ein konzentriertes Bild vom Künstler und seinem Schaffen und bietet damit eine optimale Präsentationsbasis gegenüber allen Interessenten und Adressaten. Doch wer ist eigentlich verantwortlich für eine Produktion? Gerd Schütte (Galerie Schütte, Essen) hält es „natürlich für die Aufgabe von Museen, Kunstvereinen und Galerien, Kataloge für einen Künstler zu erstellen“. Dafür brauche es aber zunächst und vor allem „eine Menge Geld“.

Zugespitzter sieht Schütte den Stellenwert der Urheberschaft: „Es bringt gar nichts“, so der Galerist, „wenn ein Künstler einen Katalog unter seinem Namen heraus gibt“, es müsse eine Institution oder Galerie dahinter stehen. Wobei er einräumt, dass ein Katalog „unabdingbar wichtig“ sei ­ womit sich die Katze in den Schwanz beißt: Was war zuerst: Künstler, Ausstellung, Galerist und/oder Katalog? Schließlich rät er weiter, dass er „so früh wie möglich erstellt werden“ solle, „wenn die Qualität der Arbeit gewährleistet ist“.

Auf der anderen Seite kann die Förderbereitschaft seitens der Galerie zum Lackmustest geraten. So bringt Albert Baumgarten ein anderes Finanzierungsmodell ins Gespräch (Schwarzer 53): das Gegengeschäft. Hierbei werden Teile der Produktionskosten mit Werken abgegolten ­ der betreffende Künstler erfährt auf diese Weise, ob es der Galerist ernst mit ihm meint und auf eine gemeinsame Zukunft setzt.

Wie das Beispiel von Gerd Schütte zeigt, sind Galeristen bei der Finanzierung durchaus findig. Man könne „bei Förderungen finanzieller Art an die Eitelkeit der Sammler, Förderer appellieren, mit Namensnennung im Katalog zu stehen, und mit einem Rabatt auf Arbeiten kommt relativ schnell ein erkleckliches Sümmchen zusammen: ich habe das mehrfach mit Erfolg durch geführt“.

Auch Gerd Harry Lybke (EIGEN + ART, Berlin/ Leipzig) hält die Publikation von Katalogen für ein wichtiges Werkzeug bei der Arbeit mit Künstlern. Sie dienten zur Wegbereitung einer Karriere für junge Künstler und für die, die bereits erfolgreich sind, „werden sie zur unabdingbaren Arbeitsgrundlage bei der Arbeit mit Sammlern, Museen und Galerien“. Weshalb seine Galerie regelmäßig Kataloge ihrer Künstler heraus gibt. Wenn sie gut recherchiert sind, funktionieren sie als wichtiges Archiv und Nachschlagewerk.

Nachdem er die ersten Publikationen selbst finanzierte, ermöglicht es der internationale Erfolg der durch die Galerie vertretenen Künstler, dass sie mittlerweile von Museen finanziell und inhaltlich unterstützt werden ­ „bei uns finden alle Werkinformationen zusammen, d.h. eine Katalogveröffentlichung wäre ohne uns nicht zu realisieren“. Mitunter beteiligt sich die Galerie finanziell an den Produktionskosten, optimal allerdings läuft es, wenn man mit Verlagen wie Hatje Cantz kooperiert.

Der Aufwand lohnt sich. Allen voran sind es Museumskataloge, die den Sammlerwert eines Künstlers steigern. Für den Erfolg sind ein relevanter und vor allem aktueller Internetauftritt und möglichst viele Kataloge notwendig. Geben die Aufmachung von Website und Katalog - ­ der jene übrigens ergänzt und keineswegs ersetzt! - doch wichtige Hinweise auf die Herangehensweise und das Selbstverständnis des Künstlers: „Man merkt einfach, ob jemand professionell arbeitet und zu seinem Stil gefunden hat“. Insofern kann ein Katalog, der sich nicht an die ungeschriebenen Gesetze hält, negativ selektiv wirken ­ er kann Galeristen rechtzeitig aufzeigen, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll wäre.

Woran aber merkt man das? Oder, andersherum gefragt: was macht einen guten, Erfolg versprechenden Katalog aus? Die Aufmachung des Kataloges sollte auf das Wesentliche reduziert sein: Einführungstext von einem (anerkannten) Kritiker, Kunsthistoriker oder -professor, eine klare stringente Werkauswahl in sauberen Fotos und eine korrekte Vita. Anhand derer sehe man das Verhältnis des Künstlers zu den kunstwelt-relevanten Daten seiner Vita wie Studium, Stipendien und Ausstellungen.

Ein Galerist kann ohne beträchtliches Eigenengagement des Künstlers nichts erreichen: „Ein Galerist kann den Künstler begleiten und Türen öffnen, aber laufen muss er selber“. So stellt auch die Beschaffung der finanziellen Mittel für einen Katalog aus der Sicht des durchaus erbarmungslosen Kunstmarktes eine Bewährungsprobe für den Künstler dar, bei der er zeigen kann, ob er sich für und mit seinem Werk in der Öffentlichkeit erfolgreich positionieren kann und Förderer findet.

Denn Kataloge kosten viel Geld. Egal, ob ein Künstler oder eine Galerie oder ein Museum ein Katalogprojekt in Angriff nehmen möchte, meist sollte man versuchen, Drittmittel zu akquirieren. Dies macht Künstler mitunter zu geschickten Fördergelder-Jongleuren. Patentrezepte gibt es da nicht. Zu den wichtigsten Unterstützungsmaßnahmen gehören sicherlich die Bereitstellung von Sachmitteln und Druckkostenunterstützung etwa durch Institutionen, Kulturämter und Unternehmen, aber auch Künstlerverbände oder Arbeitsstipendien wie das des „Künstlerhauses Lukas“ in Ahrenshoop fördern die Katalogherstellung.

Welche Förderungsform auch immer in Frage kommt: die Künstler sind in der Produktion in den meisten Fällen auf sich gestellt. Die Wahl der Druckerei steht grundsätzlich in der Verantwortung der Geförderten. Kunstmanagerinnen wie Kirsten Freundl (www.artetfact-consulting.de) wissen um die Wichtigkeit von Publikationen. Sie weiß, dass eine hochwertige Präsentation den Vermarktungswert steigert. Die Kosten, die leicht zwischen 15.000 bis 30.000 Euro je Produktion betragen können, werden teilweise durch Sponsoren abgefedert. Ansonsten sind die Künstler gern bereit, in ihr Eigenmarketing zu investieren. Freundl nimmt ihnen die wesentliche Arbeit ab: sie organisiert Texte, überwacht Bild- und Druckqualität, holt Preisangebote ein, ist für das Projektmanagement zuständig. Und sie sorgt dafür, dass die Kataloge zukünftig gezielt im Rahmen ihrer Marketingmaßnahmen eingesetzt werden.

Freundl rät auch Künstlern, deren Budgets geringer sind, deutlich zur Erstellung wenigstens einer Broschüre, „damit man seine Werke einmal gut aufgemacht auf Papier hat“, etwa zum Vorstellen bei Galeristen und Ausstellungsmachern. Hochwertigkeit in Druck-, Text- und Bildqualität machen die Wertigkeit dieser „Visitenkarte für den Künstler“ aus. Mitunter sollte auch ein Grafiker zu Hilfe gezogen werden. Diese sind, wie Kristin Friedrichs (www.design-brigade.de), häufig zu Sonderkonditionen bereit (Künstlerveröffentlichungen appellieren wohl auch an deren im Agentur-Alltagstrott mitunter verschütt gegangenes eigenes Künstler-Potenzial). Durch die Entwicklung von Standards „profitiert der Künstler in Form günstigerer Preise und schneller Umsetzbarkeit“ seiner Printprodukte.

Damit das Druckwerk richtig bekannt werden kann, gehört die Medienarbeit dazu. Für diese benötigt man gute Texte und Abbildungen - gerade diese liegen ja durch eine Katalogproduktion vor. Erstellen Sie Material, das sowohl für den Druck, als auch für die Pressearbeit geeignet ist, das erspart Zeit und Geld.

Bei alledem sollte der Katalog zum Künstler passen, er muss den Kern seiner Arbeit, seiner Ausrichtung und Intention abbilden. Dabei ist der Umfang nicht entscheidend ­ der Gesamteindruck (durchaus auch die taktile Qualität) und die Bildqualität stehen im Vordergrund. Vielleicht aber ist der Katalog, wenn man ihn als engagiertes Zeichen für die Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Kunstmarkt versteht, die wichtigste Botschaft: Geld und Mühe stecken hinter der Realisation, und viel konzeptionelle Arbeit, die immer auch den Rezipienten ­ also potenzielle Sammler, Berichterstatter, Galeristen, Museen, Ausstellungsbesucher etc. - im Auge hat.


Kontakt Förderadressen:

www.krupp-stiftung.de
www.stmwfk.bayern.de


Adressen „Katalogproduktion“ (eine Auswahl ohne Gewähr):

www.lithotec.de (hochwertig)
www.m-verlag.net (auf Wunsch an Verlag gekoppelt)
www.schumacher-verlag.de
www.bod.de
www.meinbu.ch
www.eyepublications.com (auf Wunsch an Verlag gekoppelt)
www.holzhausen.at (hochwertig)
www.bildschoene-buecher.de (auf Wunsch an Verlag gekoppelt)

Was einen guten Katalog ausmacht:

  • Aufbau: Je nach Zweck: entweder chronologisch um sich zu präsentieren, oder für die jeweilige Ausstellung
  • Inhalt: Einführung, Abbildungen mit genauen Angaben, Vita, Verlags- und Druckangaben, Nennung von Förderern, möglichst mit ISBN-Nummer.
  • Umfang: Auch hier gilt: Nicht die Masse macht’s, also lieber kleinformatiger und dünner, als mühsam gestreckt. Ist überzeugender und dabei billiger. Ein klassisches Buchformat wählen, spart Sonderkosten. (Tipp: Überlegen, ob man nicht lieber 96 kleinere Seiten als 48 doppelt so große erstellt.)
  • Bild: Die Bildqualität sollte exzellent sein, denn sie ist die Visitenkarte des Künstlers. Lieber in einen guten Fotografen investieren, als halbherzig sparsam zu sein. Ein Porträt des Künstlers ist selbstverständlich. - Tipp eines alteingesessenen Galeristen: Das Bild sollte in der Qualität immer eine Nuance unter der Realität liegen, um das reale Kunstwerk aufzuwerten.
  • Druck und Papier: Gute bis sehr gute Qualität.
  • Text: Der Text sollte verständlich geschrieben sein, nachvollziehbar erläutern und Interpretationshilfen geben. Hintergrundinformationen wie Vorarbeiten, Skizzen etc. befriedigt die Neugierde der Leser. Lange, verschachtelte Sätze ebenso wie werbliche Sprache vermeiden. Man sollte nicht vergessen, dass er auch der Pressearbeit dient.
  • Gestaltung: Das Layout sollte in Abstimmung mit dem Werk und dem sonstigen Auftritt des Künstlers (oder ggf. der Galerie) gestaltet werden. Generell gilt: weniger ist mehr, also ruhig Mut zur Lücke, falls nicht allzu viel Text vorliegt. Die Seiten nicht mit Großtypografie füllen, lieber Rand lassen. Richtig ausgesuchtes bzw. gestaltetes Deckblatt.
  • Autoren: Als Autoren kommen Akademie-Professoren, Kunstkritiker (siehe Impressum entsprechender Zeitungen, www.aica.de oder www.flashartonline.com/pg_ArtDiary.htm), Galeristen, anerkannte Künstler-Kollegen oder bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Frage.

(Quellen u.a. Gedok/ Daniela Eiden; Yvonne Schwarzer, a.a.O. S. 52; Dagmar Winkler, a.a.O., 98-101)


LITERATUR-TIPPS

Albert Baumgarten: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, in: Yvonne Schwarzer (Hg.): Über die Kunst, Kunst zu verkaufen, ars momentum, Witten
Jürgen Raap: Wege zum Ruhm, atelier Verlag, Köln 1999
Martin Schack: Der Ausstellungskatalog, in: Dagmar Winkler (Hg.): Kompendium für Künstler, Ein Ratgeber, Westerweide-Verlag, Witten 2002