(Selbst-)Kritische Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung lohnt sich

Am Anfang ist die Mappe: Wer Freie Kunst, Grafik, Design oder andere gestalterische Fächer studieren möchte, muss als Bewerbungs-Entrée anhand eigener Arbeiten belegen können, dass er das nötige Handwerkszeug beherrscht und darüber hinaus auch ein kreatives Potential hat, das einen erfolgreichen Abschluss annehmen lässt. Tricks und „Kochrezepte“ gibt es dafür nicht, wie zwei freie Kunstlehrer, die sich auch auf Studienvorbereitung spezialisiert haben, betonen.

Selbstverständlich schaffen es manche aus eigener Initiative, zum Studium aufgenommen zu werden. Insgesamt aber sind freie Kunstlehrer immer wieder erstaunt, wie naiv ein nicht unerheblicher Teil der Schüler an ihr Wunschstudium herangehen. Eher aus Idealismus bieten etliche Lehrer und Institutionen an, Mappen durchzusehen und zu besprechen. Ein nicht immer einfaches Unterfangen, muss doch etlichen Interessierten geraten werden, (vorerst) nicht ein Studium aufzunehmen: Es hapert meist an Zeichenkenntnissen, so dass entsprechende Kurse weiter helfen.

Viele der Anwärter haben gerade Abitur gemacht, meist mit Kunst-Leistungskurs, eine andere Gruppe sind Schüler des Zweiten Bildungsweges, haben schon einen anderen Beruf gelernt und ausgeübt. Und sind verwundert, wenn ihnen die Lehrer nahelegen, ihr angestrebtes Berufsfeld erst einmal realistisch einschätzen zu lernen. Wozu vor allem „große Disziplin, Am-Ball-Bleiben und Handwerkszeug“ gehören, wie Irene Velthuis, die selbst Freie Kunst sowie Grafik Design mit Diplom studierte und über sieben Jahre als Lehrerin an der Kunstschule Blankenese tätig war. Es ohne intensivere Vorbereitung auf die Hochschule zu schaffen, sei zunehmend schwierig.

Schließlich waren es beispielsweise 2002 über 1.000 Bewerber allein an der FH Hamburg (Hochschule für Angewandte Wissenschaft, Armgartstraße), von denen um die 7% schließlich angenommen wurden. Der Leistungsdruck, aber auch das Niveau sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen - und wenn dann vor allem junge Männer „mit Comics in der Mappe ankommen, werden die gleich abgelehnt“, weiß Irene Velthuis von der Hamburger „Malschule Ottensen“. Also ist die Mappenvorbereitung in erster Linie so etwas wie eine Studien- und Berufsberatung. Eine entsprechende Aufklärung findet an den Schulen, selbst in Leistungskursen, nämlich nicht statt. Vorrangig sehen es die Lehrer also als ihr Ziel an, die Persönlichkeit und das Profil ihrer Schüler sowie deren Potenzial zu entdecken und das Maximum aus den individuellen Begabungen heraus zu holen.

Neben dem Irrglauben, dass allein von der Familie und Mitschülern bewunderte schöne Zeichnungen zum Kunststudium befähigen, habe auch der Computer deutlich dazu beigetragen, dass immer mehr junge Menschen ihre Kreativität und damit verbundene berufliche Chancen richtig einschätzen könnten, viele können darum nicht richtig zeichnen und damit auch nicht wirklich frei kreativ sein. Zu klären ist oftmals also, dass nicht der Computer, sondern der ihn bedienende Mensch kreativ ist, Ideen also im Kopf entstehen, und auch für deren Umsetzung nicht zwangsläufig der Computer als einziges Handwerkszeug oder Technik zur Verfügung steht.

Auffallend sei auch, dass viele sich noch überhaupt nicht mit Kunst beschäftigt haben. So sind gemeinsame Ausstellungsbesuche, die Aufforderung, sich selbst aktiv für Kunst zu interessieren, wesentlicher Bestandteil der Vorbereitungsarbeit bei vielen Mappenkursen. „Viel anschauen“ raten Experten, denn nur so entwickelten sich Bilder im Kopf. Aber auch, sich zu überlegen, welcher Kunstbereich sowie welche Schule am ehesten für den jeweiligen Schüler geeignet ist, gehört dazu. Weshalb viele Lehrer zur Orientierung auch Bereiche an wie Grafik Design, Freie Malerei, Illustration und andere Bereiche anbieten. Vorbereitet wird auf die FH, aber auch „auf die wesentlich schwierige Hochschule“ (Velthuis).

Besondere Kontakte seitens der Lehrer braucht es da nicht. Vielmehr sind wichtige und richtige Anregungen gefragt. Wie auch die, sich die Schulen erst einmal genau anzuschauen, den „Tag der Offenen Tür“ zu besuchen, Kontakte zu Schülern zu machen. Nur wer so unverträumt an die Sache heran gehe, klar sehe, habe dann eine realistische Chance, nicht nur das Studium zu absolvieren, sondern sich auch hinterher durchzusetzen. Schließlich sei Kunst „keine Ich-Verwirklichung“, so Velthuis, sondern harte Arbeit, von Anfang an.

Die mit den vorbereitenden Mappenkursen verbundenen Kosten sind nicht für alle leicht zu tragen. Auch bei der Auswahl der Schulen haben finanziell schlechter Gestellte weniger Auswahlmöglichkeiten, schließlich sind nur die staatlichen kostenfrei, private manchmal nicht eben billig, „aber mindestens eben so gut, für viele eine gute Alternative.“ Dass es sich lohnt, sich gründlich auf die Mappenpräsentation und die Aufnahmeprüfung vorzubereiten, zeigt der Erfolg: Irene Velthuis ist stolz, dass bisher noch alle ihre Schüler zum gewünschten Studium aufgenommen wurden.

Kontakt
www.malschule-ottensen.de


Weitere Adressen (eine kleine Auswahl):
www.koinzi.de, www.kunstschuleamwohlerspark.de, www.freie-kunstwerkstatt.de, www.mappenkurs-stuttgart.de, www.eka-trier.de, www.parkgalerie-berlin.de, www.bildkunstakademie.de

Tipp: Bei www.google.de „Mappenkurse Kunst“ eingeben oder Berufsverbände wie BBK fragen.

Literaturtipp
Ein Leser schreibt über „Mythos Mappe“: „Den Herren Pecher und Böckmann sei Dank … dafür, dass sie allen potenziellen Bewerbern schonungslos klar machen, dass es nicht ausreicht, ein paar Zeichnungen zusammenzuraffen, um sich damit auf einen der raren Studienplätze zu bewerben.“
Studenten zeigen hier den Inhalt ihrer erfolgreichen Bewerbungsmappen. Einführend beschreiben sie und viele andere aus dem Kunst- und Designbetrieb die Motivation zu ihrem Schaffen. So ist „Mythos Mappe“ nicht nur ein spannendes Fotobuch zum Thema Design, sondern ein Mutmacher ersten Ranges. Sein Fazit: Sich selbst treu bleiben, unbedingt.
Pecher & Böckmann: „Mythos Mappe“ und „Mappe machen“, Verlag hellblau, Essen, 38 €, www.mythos-mappe.de